Garnelenschlupf unter dem Mikroskop

8. November 2007, 23:29

Gastbeitrag:

Garnelenschlupf unter dem Mikroskop

Text und Bilder:
Werner Klotz

Anders als viele marine Krebstiere entlassen Süßwassergarnelen ihre Eier nicht in das freie Wasser oder legen diese an Pflanzen oder festen Untergrund ab. Nach der Paarung werden die Eier vom Weibchen mit Hilfe eines klebrigen Sekretes an den Schwimmbeinen unter dem Hinterleib (Abdomen) angeheftet, wo sich die Eier in einer Zeitspanne von einigen Wochen entwickeln.

Garnelenei unter dem Mikroskop

Bild 1: Ein Cluster von Garneleneiern im Augenpunktstadium unmittelbar vor dem Schlupf

Während dieser Zeit sorgt das Weibchen durch gelegentliches Schlagen mit den Schwimmbeinen für eine ausreichende Zufuhr von sauerstoffreichem Wasser. Unbefruchtete, verpilzte oder abgestorbene Eier werden von der Garnele regelmäßig mit Hilfe des 5. Beinpaares entfernt um die Entwicklung der restlichen Eier nicht zu gefährden.

Kurz vor dem Schlupf der Larven ist ein auffallender Farbwechsel der Eier zu beobachten. Diese sind bei vielen Arten am Beginn der Entwicklung lebhafter gefärbt und nehmen nun eine gräuliche Farbe an. Mit einer Lupe sind nun deutlich die Augen der Larven durch die durchsichtige Eihülle zu erkennen.

Der Züchter spricht vom Eipunktstadium, welches den baldigen Schlupf der Larven ankündigt. Die Larve im inneren des Eies beginnt sich zu strecken und versucht mit dem Rostrum und dem Schwanzfächer die Eihülle zum Platzen zu bringen. Das Weibchen unterstützt den Schlupfvorgang durch rasches Schlagen mit den Schwimmbeinen. Sobald die Eihülle einreißt, werden die noch eingerollten Larven herausgeschleudert. Unmittelbar nach dem Schlupf strecken sich die Jungtiere aber und treiben entweder als planktonische Zoea Larven kopfüber im Freiwasser oder gehen bei Arten vom verkürztem Fortpflanzungstyp sofort auf ein Leben am Bodengrund über.

Bei allen Arten von Süßwassergarnelen häuten sich die Larven aber mindestens einmal, bevor sie sich in der so genannten Metamorphose zum juvenilen Tier entwickeln, welches bis auch die noch nicht entwickelten Geschlechtsmerkmale bereits weitgehend der Garnele gleicht.

Garnelenei unter dem Mikroskop
Bild 3: mit Hilfe eines aus einem klebrigen Sekret entstandenen Fadens hängt jedes einzelne Ei an den Schwimmbeinen des Weibchens. Die Augen der Larve sind durch die dünne Eihülle gut zu erkennen


Garnelenei unter dem Mikroskop
Bild 6: Die Larve beginnt sich im Inneren des Eis zu strecken und versucht so, die Eihülle zu sprengen


Garnelenei unter dem Mikroskop
Bild 7: Die Eihülle ist eingerissen, der Schwanzfächer ragt bereits ins Freie


Eine aus dem Ei herausgeschleuderte Garnelenlarve in gekrümmter Körperhaltung

Bild 8: Eine gerade herausgeschleuderte Larve noch in gekrümmter Körperhaltung


Sekunden später beginnt die Larve sich zu strecken

Bild 10: Sekunden später beginnt die Larve sich zu strecken…


Garnele als Zoea Larve im freien Wasser

Bild 14: … und treibt als Zoea Larve im freien Wasser


Eihülle einer geschlüpften Garnelenlarve

Bild 15: Zurück bleiben nur winzige Reste der Eihüllen




Kommentar

  1. Respekt für die Aufnahmen!
    Und nebenbei bemerkt eine der lesenswertesten Blogseiten über Aquaristik bzw. Wasserbiotope.

    Kehre immer wieder gerne hierher zurück zum schmökern.
    Bitte weitermachen…

    sonnige Grüße,
    Sven


    blacktetra    7. März 2011, 16:20    #
  2. Wow, echt faszinierende Bilder, hab ich auch gleich mal auf meiner FB-Seite geteilt


    Knut    8. Juni 2015, 21:46    #