Wasserfloh himiskopisch* fotografiert
12. Oktober 2006, 00:01
Die Möglichkeiten einer Digitalkamera, von kleinsten Lebewesen
alle Details zu erfassen, sind begrenzt: Qualität des
Objektives, Auflösung des Chips. Als Bildausschnitt sind
Objekte ab 0,8 mm einigermaßen brauchbar fotografierbar, wenn
man auf eine Vorsatzlinse verzichtet.
Das Beispiel zeigt einen Wasserfloh, fotografiert
eingeschlossen in Wasser zwischen Hohlschliff-Objektträger und
Deckglas (Himmels-Mikroskopie). Fotografiert wurde auf eine
Entfernung von einem Zentimeter, freihändig, mit der Sonne als
Lichtquelle im Rücken des Fotografen.
Das Bild mit grauem Hintergrund wurde vor einem ‘unendlich
weit entfernten grauen Hintergrund’ aufgenommen. Das klingt
schmeichelhaft, tatsächlich waren das zwei Meter (weit genug
entfernt und so kontrastarm gestaltet, dass sich der Autofocus
der Kamera nicht darauf scharfstellen konnte), und der
Hintergrund ergab sich aus den grauen Fliesen unserer
Terrasse. Lässt man diese Spielereien beiseite, erhält
man ein mikroskopähnlich wirkendes Bild mit einigen Schwächen
bei Tiefenschärfe und Darstellung feinster Details, im
Objekt der verästelten Antennen. Man darf dabei nicht
vernachlässigen, dass es sich im Beispiel um einen
Bildausschnitt eines über 3000 Bildpunkten breiten
Originalbildes handelt, der verwendbar ist – kaum 10 % des
aufgenommenen Bildes sind verwertbar.
Die erkennbare graue Längsstreifung wird durch das
Schliffmuster im Hohlschliff-Objektträgers
verursacht.
Beim Bild mit grünem Hintergrund wurde als Fotohintergrund der
Rasen unseres Gartens genommen. Das Objekt erhält dadurch
plötzlich ‘Farbe’ und wirkt lebendiger, allerdings muß
man Abstriche beim Kontrast inkauf nehmen.
Fazit: auch mit der Digi-Cam sind Bilder kleinster
Wasserinsekten machbar (besser, als das mancher mit dem
Mikroskop hinbekommt), wenn man sich um die Qualität der
Aufnahmen nicht allzu große Gedanken machen und vom letzten
Auspaziergang ‘nur’ einige Bilder als ‘Andenken’ für sein
Fotoalbum mitnehmen möchte.
Wasserfloh-Weibchen (Daphnia magna) im Makromodus mit
der Digitalkamera fotografiert.
Dasselbe Motiv vor grünem Hintergrund: der Rasen unseres
Gartens.
... und zum Vergleich eine Gif-Animation des Motives vor den
zwei Hintergründen.
*himiskopisch… adj. abgekürzt von Himmelsmikroskopie bzw. Himikroskopie.
Du liebe Güte – auf welche Namen man sich einlassen kann, ohne zu erröten. Wenn dir die Methode mit Kamera und Objektträger partout nicht gelingt, dann erzähls bloß nicht weiter – sonst kommt man dir noch hämikroskopisch hämisch :)
Kommentar
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Mit was für einer Digi-Cam kann man solche Aufnahmen machen?
Die liegt sicher in einer höheren Preisklasse, denk ich mal.
Würde man solche Bilder mit einer Canon powershot A610 hinbekommen? die gibts derzeit zwischen 200 und 300 €
— Monika Bischoff 20. November 2006, 15:01 #
Hallo Monika,
Die A 610 und A 620 sind in wesentlichen technischen Merkmalen baugleich, nur bei der den Pixeln muß man sich mit 5 Mpx ‘begnügen’. Für diese Zwecke ist das jedoch völlig ausreichend. Auch die Macrofunktion mit Aufnahmen ab 1 cm zum Objekt sind mit der CP A 610 möglich.
Beste Grüße,
Jürgen
— J. Haberstroh 25. November 2006, 02:48 #