Wasserfloh himiskopisch* fotografiert

11. Oktober 2006, 23:01

Die Möglichkeiten einer Digitalkamera, von kleinsten Lebewesen alle Details zu erfassen, sind begrenzt: Qualität des Objektives, Auflösung des Chips. Als Bildausschnitt sind Objekte ab 0,8 mm einigermaßen brauchbar fotografierbar, wenn man auf eine Vorsatzlinse verzichtet.

Das Beispiel zeigt einen Wasserfloh, fotografiert eingeschlossen in Wasser zwischen Hohlschliff-Objektträger und Deckglas (Himmels-Mikroskopie). Fotografiert wurde auf eine Entfernung von einem Zentimeter, freihändig, mit der Sonne als Lichtquelle im Rücken des Fotografen.
Das Bild mit grauem Hintergrund wurde vor einem ‘unendlich weit entfernten grauen Hintergrund’ aufgenommen. Das klingt schmeichelhaft, tatsächlich waren das zwei Meter (weit genug entfernt und so kontrastarm gestaltet, dass sich der Autofocus der Kamera nicht darauf scharfstellen konnte), und der Hintergrund ergab sich aus den grauen Fliesen unserer Terrasse. Lässt man diese Spielereien beiseite, erhält man ein mikroskopähnlich wirkendes Bild mit einigen Schwächen bei Tiefenschärfe und Darstellung feinster Details, im Objekt der verästelten Antennen. Man darf dabei nicht vernachlässigen, dass es sich im Beispiel um einen Bildausschnitt eines über 3000 Bildpunkten breiten Originalbildes handelt, der verwendbar ist – kaum 10 % des aufgenommenen Bildes sind verwertbar.
Die erkennbare graue Längsstreifung wird durch das Schliffmuster im Hohlschliff-Objektträgers verursacht.

Beim Bild mit grünem Hintergrund wurde als Fotohintergrund der Rasen unseres Gartens genommen. Das Objekt erhält dadurch plötzlich ‘Farbe’ und wirkt lebendiger, allerdings muß man Abstriche beim Kontrast inkauf nehmen.

Fazit: auch mit der Digi-Cam sind Bilder kleinster Wasserinsekten machbar (besser, als das mancher mit dem Mikroskop hinbekommt), wenn man sich um die Qualität der Aufnahmen nicht allzu große Gedanken machen und vom letzten Auspaziergang ‘nur’ einige Bilder als ‘Andenken’ für sein Fotoalbum mitnehmen möchte.

Wasserfloh Daphnia magna
Wasserfloh-Weibchen (Daphnia magna) im Makromodus mit der Digitalkamera fotografiert.

Wasserfloh Daphnia magna
Dasselbe Motiv vor grünem Hintergrund: der Rasen unseres Gartens.

Daphnia magna Wasserfloh mit der Digitalkamera fotografiert
... und zum Vergleich eine Gif-Animation des Motives vor den zwei Hintergründen.

*himiskopisch… adj. abgekürzt von Himmelsmikroskopie bzw. Himikroskopie.
Du liebe Güte – auf welche Namen man sich einlassen kann, ohne zu erröten. Wenn dir die Methode mit Kamera und Objektträger partout nicht gelingt, dann erzähls bloß nicht weiter – sonst kommt man dir noch hämikroskopisch hämisch :)




Kommentar

  1. Mit was für einer Digi-Cam kann man solche Aufnahmen machen?
    Die liegt sicher in einer höheren Preisklasse, denk ich mal.
    Würde man solche Bilder mit einer Canon powershot A610 hinbekommen? die gibts derzeit zwischen 200 und 300 €


    Monika Bischoff    20. November 2006, 14:01    #
  2. Hallo Monika,

    Die A 610 und A 620 sind in wesentlichen technischen Merkmalen baugleich, nur bei der den Pixeln muß man sich mit 5 Mpx ‘begnügen’. Für diese Zwecke ist das jedoch völlig ausreichend. Auch die Macrofunktion mit Aufnahmen ab 1 cm zum Objekt sind mit der CP A 610 möglich.

    Beste Grüße,
    Jürgen


    J. Haberstroh    25. November 2006, 01:48    #