Was krebst denn da im Aquarium?
19. August 2006, 00:38
Was krebst denn da im Pflanzenbecken, dachte ich mir gestern so beiläufig. Hüpferlinge – Cyclops! Also einen feinmaschigen Käscher geholt und mit einigen Zügen
einige Exemplare herausgefischt.
Wie meistens liegt man ohne Lupe oder Mikroskop völlig daneben, denn es handelte sich um Muschelkrebse, die auf der Suche nach Nahrung – Algen und Detritus – in großer Zahl zwischen den Wasserpflanzen im fischlosen Aquarium herumkrebsten.
Ein erster Muschelkrebs endete schmählich zerdrückt zwischen Deckplättchen und Objektträger – die robust aussehenden Krebse erwiesen sich als äusserst filigran und
zerbrechlich. Also einen Wassertropfen aufgebracht, und einige Abstriche in der Schärfe des Objektes in kauf genommen den Muschelkrebs in mehr oder weniger
posenarmer Seitenlage mit verschiedenen Beleuchtungseinstellungen fotografiert.

Namensgebend: die beiden Schalenhälften sind muschelähnlich zusammengeklappt
Muschelkrebse können auch in austrocknenden oder zugefrorenen Gewässern überleben – die beiden Schalenhälften werden dann fest verschlossen. Die meisten Arten
sind eierlegend, die Eier werden in Gruppen oder einzeln an Steinen oder Wasserpflanzen abgelegt. Die verschiedenen Muschelkrebsarten ernähren sich von Kadavern
(Gattung Cypris), Pflanzenblättern (Gattung Candona) oder Algen (Gattung Heterocypris). Auch Detritus (im Aquarium: Mulm) oder Diatomeen (Kieselalgen, im Aquarium
unangenehm bemerkbar durch leicht abwischbare, goldbraune Überzüge an Pflanzen oder Aquariumscheiben), Kahmhaut (Hefepilzschicht an der Wasseroberfläche) und
Bakterien werden abgeschabt oder ausfiltriert. Eine nützliche Krebsgattung, die als Jungfischfutter verwendet werden kann und im
ungefilterten Wirbellosenaquarium viel zur Selbstreinigung des Aquariums beitragen kann.



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Video:
Zwei Muschelkrebse aus dem Aquarium, Rücken an Rücken, bei etwa 60-facher Vergrößerung unter dem Mikroskop. 29 Sekunden, 2,1 MB
Direktlink:
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/muschelkrebse_im_aquarium.mpg
Mit ins Netz gegangen ist diese Milbe. Das Spinnentier, das sich mit seinen beiden Beinpaaren rudernd wie eine Artemia-Nauplie im Wasser einer Petrischale
fortbewegte, entzog sich mir hartnäckig einem Bestimmungsversuch. Vielleicht eine Sattelmilbe (Hydrodroma despiciens) oder ein Vertreter der Gattung
Hydrodroma?

Auffallend die großen Augen der Milbe, hier im Dunkelfeld-Verfahren bei etwa 60-facher Vergrößerung fotografiert
Vielen dank für diesen hervoragenden Bericht!
gruss rüdiger
— Rüdiger Wacker 3. Januar 2009, 18:29 #