Wasserzeichen

30. Juli 2006, 23:36

Spuren sind Zeichen, deren Herkunft man meistens erklären kann – wer hat sie verursacht, welches Lebewesen verrät durch typische Zeichen seine Anwesenheit oder Lebensart? Auch im Aquarium gibt es hin und wieder solche Spuren, die als Nachweis für das Wirken der belebten und unbelebten Natur herhalten können, und die man als Aquarianer und Wasserfährtengänger bisweilen lesen und deuten kann.

Pilze und Bakterien
Manchmal beginnt eine neu erworbene Wurzel im Aquarium zu ‘schimmeln’ – weißliche Überzüge bilden sich, die watteartig aussehen und mehr oder weniger deutlich vom Substrat abstehen. Es könnte sich dabei um einen Abwasserpilz handeln, zum Beispiel Sphaerotilus natans. Dabei wird die pilzähnliche Wuchsform durch das gleichnamige Bakterium – ein Fadenbakterium – hervorgerufen. Von Pilzen läßt es sich makroskopisch gut unterscheiden: S. natans ist immer schmutzigweiß gefärbt, die Pilze Fusarium aquaeductum und Leptomitus lacteus weisen durch Eisen- und Manganeinlagerungen in den Scheiden zwischen den Zellen eine rötliche Färbung auf.
Sphaerotilus natans bildet bei Massentwicklung ab 20 cm/s Fließgeschwindigkeit schmutzigweiße, schleimige, flutende und fellartige Zotten auf allen möglichen Substraten. Auch bei geringeren Strömungen, z.B. im Aquarium, kann das Bakterium vorkommen, dann nicht im Massenentwicklung.
Im Aquarium können das Steine und Wurzeln sein. Vor allem letztere enthalten womöglich noch organische, noch nicht vollständig verfaulte Bestandteile – Zellulose aus dem Holz wird von dem Bakterium nicht zersetzt, als Kohlenstoffquelle dienen u.a. organische Säuren und einfache Zucker. Die obere Temperaturgrenze liegt bei 46 °C – zum Abtöten des Bakteriums genügt es also, wenn man die Wurzel nach gründlichem Abbürsten nass für eine halbe Stunde bei 120 °C ins Backrohr gibt. Das Abbürsten ist notwendig, um organische zersetzbare Bestandteile von der Wurzel zu entfernen. Kleinere Wurzeln kann man auch auskochen. Ohne diese Maßnahmen kann das Bakterium wieder auftreten.
Der Pilz kann bei Fischen, die ständig in verunreinigtem Wasser leben, grauen Star verursachen.
Literatur:
Berger, Helmut: Bestimmung und Ökologie der Mikrosaprobien nach DIN 38 410: 940 Abbildungen auf 86 Tafeln / von Helmut Berger; Wilhelm Foissner; Fritz Kohmann. Stuttgart; Jena; Lübeck; Ulm: G. Fischer, 1997.

Im Beispiel trat die Besiedelung von Aquariumsand in einem 900 Liter Aquarium wenige Tage nach dem Befüllen auf. Zum Impfen des Aquariums wurde eine Menge Filtermul von eingefahrenen Aquarienfiltern ins Becken gegeben. Während einer Wartezeit, in der das Aquarium nicht dekoriert war, bildete sich hinter ‘Sanddünen’ Ablagerungen dieses Filtermulms, der dann von dem Pilz besiedelt wurde. Nach einigen Tage verschwand der Pilz genauso schnell, wie er aufgetaucht war.

Pilz im Aquarium auf dem Aquariumsand
Ein Abwasserpilz hat organisches Material (Filtermulm), das sich auf dem Sand ablagerte, mit seinen Hyphen (Pilzfäden) erschlossen.

Pilz im Aquarium auf einer Eichenwurzel
Eichenwurzel im Aquarium – nach drei Tagen kann sich an verfaulbaren, an der Wurzel anhaftenden Resten, Schimmel bilden.

Befallene und prinzipiell aquariumtaugliche Wurzeln kann man dem Aquarium entnehmen und noch einmal mit einer Waschbürste oder Drahtbürste gründlich reinigen. Ein Abkochen mit Salzwasser (15 g/l) kann helfen, lose anhaftende organische und zur Fäulnis neigende Rinden- oder Erdreste zu entfernen. Den Aquariumfischen schadet das Bakterium in den üblichen geringen Mengen nicht, jedenfalls nicht mehr, als Bakterien und Pilze ohnedies immer im Aquarium vorhanden sind und unsichtbar im Bodengrund oder Filter die Bakterien bei ihrer für das Aquarium immens wichtigen Abbautätigkeit (Mineralisieren von Fischkot und Pflanzenresten) unterstützen. Sollte sich der Pilzbefall nach dem Ende der geplanten Einlaufphase nicht bessern, kann man die Wurzel am Tag des Einsetzens von Garnelen oder aufwuchsfressenden Antennenwelsen noch einmal gründlich reinigen. Spätestens wenn raspelnde Saugwelse oder Schnecken (Apfelschnecken und Rennschnecken fressen den Bakterienrasen sehr gerne, auch Garnelen weiden den Rasen ab, ohne Schaden zu nehmen) den Aufwuchs als Nahrungsquelle verwenden ist das Problem behoben.

Abwasserpilz unter dem Mikroskop
Abwasserpilz unter dem Mikroskop; die falschen Verzweigungen der Fäden sind in diesem Bild nicht erkennbar.

Ein kleines Video zeigt, wie sich die Fadenbakterien in der Wasserströmung bewegen.
Video:
Abwasserpilz in der Wasserströmung im Aquarium. 24 Sekunden, 1,69 MB



Direktlink:
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/abwasserpilz.mpg


Schnecken
Auch Schnecken hinterlassen Spuren im Aquarium – neben typischen Fraßbildern auch ‘Spuren im Sand’. In diesem Fall wurde eine Kriechspur durch eine Turmdeckelschnecke gebildet. Wo tauchte sie aus dem Sand auf und begann ihre Kreise zu ziehen? Tatsächlich, wenn man genau hinsieht, wurde die Struktur durch zwei Schnecken gebildet…

Kriechspur einer Turmdeckelschnecke
Fraßbild einer Blasenschnecke auf der Aquariumscheibe im Bakterienrasen eines frisch eingelassenen Aquariums:

Frassbild einer Blasenschnecke auf der Aquariumscheibe

Blasenschnecke und Kotstück
Blasenschnecke und abgesetzte Kotschnur.

Fische
Durchlöcherte Pflanzen, von denen nur noch – im schlimmsten Fall – die Gerippe der Blätter übrig bleiben, sind ein untrügliches Zeichen auf die Anwesenheit von Saugwelsen. Vor allem Ancistrinen haben eine Vorliebe für zarte, grossblättrige Wasserpflanzenblätter.
Im schlimmsten Fall können Pflanzenblätter dann schon einmal so aussehen:

Frassbild am Blatt einer Wasserpflanze (Echinodorus sp.)

Abhilfe: regelmäßig Grünkost (Gurke, Zucchinischeiben, Karotte, Karfiol, Löwenzahnblätter) anbieten oder auf hartblättrige Pflanzenarten (Speerblätter, Javafarn) bzw. Stängelpflanzen ausweichen.

Ein Schöner Elfenwels (Acanthicus adonis) hat an der veralgten Rückscheibe seine Fraßspur hinterlassen: Frassbild eines Elfenwelses in der veralgten Rückscheibe des Aquariums

Insekten
Mancher AquarianerIn entdeckt beim Umsetzen von Aquariumpflanzen rote ‘Würmchen’ zwischen den Pflanzenwurzeln. Unsicher, ob sie nun den Fischen schaden könnten, wird das ‘Gewürm’ entsorgt. Dabei handelt es sich in den allermeisten Fällen um harmlose Würmchen (z.B. Tubifexverwandte) oder Insektenlarven.

Mir fiel in einem leerstehenden Aquarium, das noch gut 2 cm mit Wasser gefüllt und wegen eines Glasbruches nicht mehr in Verwendung war und ungenutzt herumstand, eines Tages merkwürdige symmetrische Gebilde an der Bodenscheibe auf: wenige Millimeter lange Röhrchen ‘lagen’ auf der Bodenscheibe des Beckens, aus dem der Sand schon einige Tage vorher entfernt wurde.

Gespinströhre einer Chironomiden-Art (Zuckmücke)
Gespinströhren aus Mulmteilchen und Sandkörnern der Larven einer Zuckmückenart (Chironomus sp.) am Boden eines ungenutzten Aquariums.

Bei genauerer Betrachtung stellten sich die Gebilde als Gespinströhren der Larven einer Chironomiden-Art heraus. Beim vorsichtigen Zudrücken wand sich eine Mückenlarve aus ihrer Röhre und bewegte sich rasch seitlich zuckend durch das Wasser.
Die Röhren werden aus Speicheldrüsen der Insektenlarve gebildet und wurden im vorliegenden Fall mit Mulm und Sand verstärkt. Bekannter sind die Larven in der aquaristischen Praxis als Rote Mückenlarven. Die Zuckmücken kommen – sprichwörtlich – nachts durchs geöffnete Fenster und legen im Aquarium ihre Eier ab. Meistens bekommt man die Larven erst gar nicht zu sehen, weil sie von den Fischen begeistert gerne gefressen werden.
Ihre rote Farbe verdanken die Zuckmückenlarven, die als Imagos (= flugfähiges Insekt) übrigens nicht stechen, einem blutähnlichen Farbstoff, der ihnen das Überleben auch in extrem sauerstoffarmen Gewässern ermöglicht. Als Fischnahrung weisen die über 1000 mitteleuropäischen Arten eine wichtige Rolle im Ökosystem eines Freigewässers auf.

Rote Mückenlarve - Larvenstadium einer Zuckmücke
‘Rote Mückenlarve’, mit der Digital-Kamera und der ‘Kochtopf-Methode’ fotografiert.

Unbelebte Natur
Spieglein, Spieglein an der Wand… Wer ist die schönste Pflanze im Aquariumland?
Mit Sicherheit gehört Riccia fluitans, das Teichlebermoos, dazu. In stark beleuchteten Aquarien bilden sich an den Triebspitzen gasgefüllte Kügelchen, die der Pflanze ein zauberhaftes Aussehen verleihen. Mit einem kleinen Trick kann man seinem Riccia-Rasen im Aquarium bei der ‘Gasblasenbildung’ nachhelfen: einfach einen großzügigen Teilwasserwechsel mit frischem Leitungswasser durchführen, dann bilden sich selbst in schlechter beleuchteten Aquarien diese Kugeln innerhalb weniger Stunden. Allerdings sollte das Moos gut am Bodengrund fixiert sein – sonst wird diese Schwimmpflanze ihrem Namen gerecht.

Riccia fluitans mit gasgefüllten Kugeln
Riccia fluitans mit gasgefüllten Blasen.

Weitere Spuren in diesem Bild – neben den gasgefüllten Blasen selber – sind die Spiegelbilder von Hemianthus sp. ‘Cuba’ (Zwergperlkraut) in der großen Blase links oben und – Eitelkeit der Wasserpflanze – ein Abbild eines Riccia-Sprosses in der rechten großen Blase.

Das Einrichten eines neuen Aquariums ist ein aufregender Vorgang – zwei Elemente, Wasser und Erde, geraten aneinander, verbinden sich und bleiben doch voneinander getrennt jedes für sich.

Ein Streifzug mit der Digitalkamera zeigt den an und für sich banalen Vorgang des Befüllens eines Behälters mit Wasser, wie der Wasserspiegel steigt und der eingebrachte Sand zusammensackt. Ein Vorgang, den jeder Aquarianer schon einmal miterlebt hat, der gebannt beim Befüllen seines neuen Aquariums zugesehen hat.

Video:
Ein Aquarium wird mit Wasser gefüllt, 36 Sekunden, 2,6 MB



Direktlink:
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/sand_wasser.mpg




Kommentar

  1. hallo

    ich habe diese pilzwatte am bodn,pflanzen und holz.noch keine fische im aq.500liter aq seit 3 wochen ca.einlauphase mit übig pflanzen und innenfilter.
    sind diese pilze bösartig und wi kann man sie entferen.

    mfg steindl


    steindl    25. November 2006, 11:12    #
  2. Hallo,

    Du kannst die Wurzeln nochmal aus dem Aquarium entfernen, gründlich abbürsten und evt. auskochen oder im Backrohr erhitzen. Schäden an Fischen sind lt. Literatur in stark belasteten Freilandgewässern theoretisch möglich (Bildung von grauem Star), in der Praxis gibt es m.W. aber noch keinen Hinweis auf eine Gefährlichkeit für Fische im Aquarium. Wahrscheinlich hat die lange Einlaufzeit zu diesem Phänomen geführt; sobald aufwuchsfressende Fische oder Garnelen im Aquarium sind, wird sich das ‘Problem’ von selber lösen und die Erscheinung verschwinden.

    Beste Grüße,
    J. Haberstroh


    J. Haberstroh    26. November 2006, 15:00    #
  3. Hallo!

    Ich habe ein Problem mit meinen 1200 Liter Barschbecken. Meine Außenfilterschläuche wachsen mit einem undefinierbaren Gewächs fast follständig zu. Die Steine, Wurzeln, Scheiben und Kies sind mit einer leicht bräunlich bis durchsichtigem länglichen Gewächs bewachsen. Wenn man die Schläuche reinigt und durchspült kommt dieses Gewächs in der vorher beschriebenen Form heraus nur größer (ca. 1 cm2, sieht aus wie ein verfaultes Pflanzenstück) und hat einen stark faulig modrigen Geruch.
    Habe ich in meinen Aquarium Sphaerotilus natans?
    Einen leichten Pilzbefall hatte ich schon mal an einer Wurzel die zu groß für den Herd und zum auskochen war( die Wurzel wurde mit kochenden Wasser übergossen, was anscheinend zu wenig war). Dieser Pilzbefall verschwand aber wieder durch entfernen der Wurzel. Was mir noch aufgefallen ist das der Kot der Fische oben schwimmt und sich die Fische an den Steinen scheuern.
    Vielleicht können sie mir bei meinem Problem einen guten Rat geben ohne das ich das ganze Aquarium ausräumen (240kg Lochgestein ) und desinfizieren muss.
    Liebe Grüße aus Österreich
    Alexander Fellner


    Alexander Fellner    1. Januar 2007, 18:56    #
  4. Hallo Alexander,

    Alle Fragen wird man hier kaum beantworten können, zumal bei einigen bestimmte Details zur Annäherung an den Sacherverhalt nötig wären. Möglicherweise hilft es dir weiter, wenn du die Fragestellung (Scheuern) im Zierfischforum.at postest. Url: http://www.zierfischforum.at

    Bei dem Gewächs, das du im Filterschlauch beobachtest, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Bakterienplaque, also abgelöste Stücke flächiger Bakterienrasen- oder Flocken. Es könnte möglicherweise ein Hinweis darauf sein, dass zu wenig Filtermaterial mit ausreichender besiedelbarer Oberfläche oder überhaupt ein zu gering dimensionierter Filter verwendet wird. Bei transparenten oder besonnten Schläuchen bildet sich auch oft ein Konglomerat aus Algen und Bakterien. Soweit also vorweg keine besondere Tragödie.
    Handlungsbedarf besteht möglicherweise beim Scheuern der Cichliden, das ein Hinweis auf Reizstoffe im Wasser, zu niedrige pH-Werte, Schwebestoffe, Ichthyophthirius (unwahrscheinlich) oder Kiemenwürmer (wahrscheinlich) sein könnte. Sicherheit bringt ein Check der Wasserparameter und ein Kiemenabstrich mit Untersuchung mittels Mikroskop.

    Beste Grüße,
    J. Haberstroh


    J. Haberstroh    2. Januar 2007, 23:02    #
  5. hei wie kannst du videos einfügen in deine homepage will ich nemlich auch machen MFG MAx Brack


    Max    21. September 2007, 17:29    #
  6. Hallo.

    Ich habe ein sechzig Liter Becken mit Matten Filter. Boden Grund Shrimp Soil..extra für Garnelen, Lavasteine, Pflanzen…..es steht nun nicht gans zwei Wochen. Ich habe flüssige Mineralien…. für Garnelen reingegeben(soll ihnen beim Häuten helfen und und und) und dann hab ich noch Bio Plus rein gegeben. Das ist so ein Microfutter, welches auch als Starthilfe für neue Becken genommen werden kann.Dosierung 1/8 Teelöffel auf 80 Liter-wie will man das genau dosieren.(es steht auch drauf das man nach der Anwendung die Fütterung einschrencken soll) weiters hab ich einen Filter ein wenig ins Becken gewaschen wegen der kleinen Helferlein. Eichenlaub und ein Seemandelbaumblatt ist auch drin. Das Becken wird nicht beheizt

    Besatz: 20 Crystal Red, zwei blaue Posthornschnecken, 10 Blasenschnecken.

    So und nun zu meinem Problem. Ich habe Äste der Korckenzieher Hasel ins Becken gegeben. lagen schon lange im Schuppen-super trocken, hab sie ins Backrohr gegeben, in Wasser gelegt und beschwert und weils so lang gedauert hat Zweimal abgekocht. Zweimal da die Äste nicht gans rein paßten. Und nun hab ich gestern weisen “Schimmel oder Bakterienschleim” auf den Ästen entdeckt. Dieser ist so gut wie nur auf den offenen Stellen, also dort wo ich Stücke weckgebrochen habe. Weis, jetzt noch klein und flauschig. Nun bin ich auf der suche im Internet, doch finde nichts. Muss ich die Äste nochmals raus tun? Würd ich ungern da ich verschiedene Pflanzen rauf getan hab. Soll ich einfach abwarten? Regeln die Garnelen das? Vielleicht hilft einen Antennenwels(jung oder alt)? Ich denk das Bio Plus (Micro.futter Starthilfe) plus der eingewaschene Filter waren vielleicht doch zu viel, kann das sein? Soll ich nun auf die Fütterung verzichten?
    Oder vielleicht Pflanzen düngen damit die schnell wachsen…glaub fast das wär falsch. Wasserwechsel??? Mehr Schnecken vielleicht oder andere???

    Bitte um kompetente Hilfe und würde liebend gern auf Chemie verzichten.


    Ilse    31. Januar 2009, 15:29    #
  7. Hallo Ilse,

    Ich schätze, dass Haselholz für die Verwendung im Aquarium ungeeignet ist u. würde es wieder entfernen.
    Es wird mangels Gerbstoffen schlicht und einfach – verfaulen.

    Grüße,
    Jürgen


    Jürgen    5. Februar 2009, 09:52    #
  8. Hallo.
    Ich bin kurz vor dem Verzweifeln.
    Ich habe seit ich klein bin Aquarien. Jetzt habe ich meine eigene Wohnung und habe mir ein 300L Aquarium zugelegt. Klassisch wie immer, habe ich das Aquarium eingerichtet mit Kies, Pflanzen, Plastiksteinen, Heizung und einer Aussenpumpe aus der Tierhandlung. Das Aquarium lies ich 6 Wochen ohne Fische laufen. Dann kamen 3 Skalare, 2 Welse und 8 Buntbarsche rein. Dies ging ca. 1 Woche gut und dann ging der Kaos los. An jedem darauf folgenden Tag, fand ich einen neuen, toten Fisch in meinem Aquarium. Darauf hin, ging ich immer wieder in die Tierhandlung, und bekam immer andere Medikamente. Als diese nichts nützen empfahl die Verkäuferin mir, den ganzen Inhalt zu ersetzten. Daraufhin kaufte ich mir die gesamte Einrichtung (bis auf die Pumpe) neu. So begann die Sache von neuem, ich wartete wieder 6 Wochen, bis ich mir neue Fische kaufte. Diesmal 3 Skalare und ca. 20 Guppys rein. (ein Wels hatte überlebt) Daraufhin hatte ich erstmals 3 Wochen ruhe, und dann ging es wieder los.
    Aquarium:
    1. Ich muss min. alle 3 Wochen das Wasser wechseln (60-80%) da es anfängt stark zu riechen.
    2. Die Scheiben beschlagen sich sehr schnell mit Algen
    3. Auf der Heizung und dem ,,Moonlight-Schlauch‘‘ finde ich bei jeder Reinigung einen feinen, weissen, spinnennetzartigen Flaum.
    4. Zu Beginn, wuchsen meine Platzen gar nicht. Jetzt mit der 2. Einrichtung wachsen die jedoch wieder prächtig….
    5. Wassertests wie pH, NH4, NH2, NH3 und Fe sind vollkommen in Ordnung.
    Fische:
    Die Fische haben weder Flecken, Rötungen noch irgendwelche Störungen. Sie fressen ganz normal.
    Jedoch sterben sie in einem Zeitraum von ca.4-8 Stunden, scheinbar ohne Grund.

    Kann es sein, dass irgendetwas mit dem Wasser aus der Leitung nicht stimmt? Denn ich benütze wie immer das gleiche Wasseraufbereitungsmittel wie schon seit Jahren.
    Ich hoffe, dass mir jemand von euch hier helfen kann, denn ich bin mit meinem Rat am Ende, und die Verkäuferin aus der Tierhandlung ebenso.
    Herzlichen Dank euch schon im Voraus.

    Lg Fiona


    Fiona    8. September 2011, 16:29    #
  9. 1. Ich denke, die Verkäuferin hätte Ihnen gesunde Fische verkaufen sollen anstelle der Medikamente.
    2. Vermutlich wurden die Guppys aus Massenzucht in aufgesalzenem Wasser gehalten, was bei Händlern oft passiert. Auch die Großzüchtereien in Tschechien oder Asien verwenden sehr viel Salz, das bakterielle Keime und Einzeller unterdrückt. Werden diese Guppys nun mit normaler Anpassung vom Salzwasser in ‘normales’ Wasser umgesetzt, führt das zu einem Nierenversagen und einem schleichenden Tod. Da helfen keine Medikamente, sondern nur eine langsamste Anpassung des aufgesalzenen Wassers auf Ihr Leitungswasser. Diese Prozedur darf schon zwei Tage dauern.
    Umgekehrt: kaufen Sie sich ein Leitwert-Messgerät (z.B. in meinem Shop http://www.aquaristik-zentrum.at/shop/de/adwa-AD-203-Taschen-Leitwertmessgeraet), salzen Sie Ihr Aquariumwasser bis zum gemessenen Salzgehalt im Transportwasser auf und setzen die Fische wie gewohnt ein. Der Salzgehalt verringert sich durch die wöchentlichen Teilwasser-Wechsel von selber, und die Fische kommen gut über den Berg.
    3. Wechseln Sie das Geschäft, das Ihnen kranke Fische verkauft, dann an den Medikamenten doppelt verdient und Ihnen den absurden Tipp gibt, die Dekoration zu erneuern.
    4. An den Aquariumscheiben haben Sie Blaualgen. Diese Algen vermehren sich wie Bakterien und assimilieren wie Pflanzen und weisen eine atemberaubende Vermehrungsrate auf. Da liegt auch die Chance, die Algen zu bekämpfen: entziehen Sie den Algen das Licht, und die Vermehrung wird gestoppt. Die Dunkelkur funktioniert so: am 1., 3. und 6. Tag ein 50 % Teilwasserwechsel, dabei saugen Sie so viele Algen ab wie möglich. Das Aquarium wird für 5 Tage komplett abgedunkelt u. nur für 5 min zur Fütterung der Fische beleuchtet. Nachdem Bakterien recht kurzlebig sind u. sich mangels Lichtenergie nicht mehr duplizieren können, sind am 6. Tag normalerweise die Algen verschwunden. Leider ist das keine Garantie, dass sie nicht wiederkommen. Es gibt von EasyLife ein neues Produkt, das sich Blue Exit nennt u. speziell zur Bekämpfung von Blaualgen entwickelt wurde. Es kürzt die Dunkelphase ab, und man könnte z.B. die Dunkelzeit auf 3 Tage reduzieren, dann am 1. und 4. Tag einen 50 % Teilwasserwechsel unter Nachdosierung durchführen und ist die Plage los.
    Mehr Informationen finden Sie hier: http://www.aquaristik-zentrum.at/shop/de/Easy-life-Blue-Exit-500-ml

    5. Der spinnennetartige Flaum dürfte kein Schimmel sein, sondern Glockentierchen. Diese Einzeller können ganze ‘Wälder’ auf der Dekoration bilden. Sie sind ein Hinweis auf die massenhafte Anwesenheit von Bakterien im Wasser, die von den Glockentierchen gefressen werden. Das wiederum könnte ein Hinweis dafür sein, dass Sie zu viel Futter ins Aquarium geben. Vor allem bei Futtertabletten werden oft haarsträubende Futterempfehlungen gegeben und viel zu viel davon ins Aquarium gekippt.
    6. Wenn Sie den Filter öfter als wöchentlich reinigen, kann das ein zusätzlicher Hinweis auf ein vorhandenes biologisches Ungleichgewicht sein.
    7. Bringen Sie die natürliche Bakterienflora mit einem Präparat wie sera nitrivec, JBL Denitrol oder Söll Baktinetten o.ä. wieder ins Gleichgewicht. Reduzieren Sie die schädlichen Keime sanft und langfristig mit der Verwendung von Seemandelbaum-Blättern oder SB-Rinde.
    8. Lassen Sie sich nicht entmutigen :-)


    Jürgen    12. September 2011, 18:18    #