Blutregenalge Haematococcus lacustris

18. Juli 2006, 23:25

Blutregenalge Haematococcus lacustrisHaematococcus lacustris, die Blutregenalge, gehört zu den Grünalgen (Chlorophyceae). Man kann diese 8 bis 50 µm kleine Alge häufig in rasch austrocknenden Kleingewässern finden – Gießkannen, Dachrinnen, Mauerlöcher oder Vogeltränken im Freien. Typisch ist die rote Färbung des besiedelten Substrates, hervorgerufen durch Farbstoffe in der Alge (Carotinoide). Die Alge kann auch in grünlichen bis orangen Färbungen vorkommen. Ein begeisseltes Stadium ermöglicht der Art eine Verbreitung, wenn genügend Wasser vorhanden ist. Beim Austrocknen umgibt sich die Alge mit einer Gallertschichte und ist dadurch bis zum nächsten Regenguss geschützt.

Das vorliegende Präparat wurde aus einer Granitschüssel, wie man sie als Pflanzschale oder Vogeltränke auf der Terrasse verwenden kann, gewonnen. Die Alge fand sich sowohl als Belag am Schüsselrand als auch in einer mulmähnlichen, wolkigen Ansammlung am Schüsselboden.
Dass es auch in diesen Kleinstgewässern viel zu beobachten gibt und eins das andere ergibt, beweisen die zahlreichen Funde von Rädertierchen im Präparat. Es waren nicht nur einige wenige Rädertierchen – es wimmelte davon! Massen von Rädertierchen leben in diesem Blutregenalgenmulm und ernähren sich – von der Blutregenalge. Von den begeisselten Vermehrungsstadien, von abgestorbenen Algenresten und bakterienfressenden kleineren Wimperntierchen.

Man ist, was man isst – in diesem Fall führten die Carotinoide (namensgebend als roter Farbstoff in Karotten zu finden) zu einer sehr attraktiven rötlichen Färbung der Rotatorien, die in einigen Bildern und Videos, teils mit schiefer Beleuchtung oder als Dunkelfeldfotografie, festgehalten wurden.

Als Jungfischfutter für kleinste Jungfische wären diese Rädertierchen erste Wahl – Zwergfadenfische (Colisa lalia), kleinste Salmler oder Bärblinge lassen sich mit diesem Futter ausgezeichnet im Wachstumsstadium vor der Verabreichung von Artemia-Nauplien heranziehen. Bestimmt könnte man damit auch die Farbe der Fische selber beeinflussen, wenn – ja wenn die meisten Jungfische in diesem Altersabschnitt nicht durchsichtig wären.

Blutregenalge Haematococcus lacustris

Die Blutregenalge - die Gallertschichte, die vor der Austrocknung bewahrt, ist als Ring deutlich erkennbar
Die Blutregenalge – die Gallertschichte, die vor der Austrocknung bewahrt, ist als Ring deutlich erkennbar.

Eine Dunkelfeldaufnahme der einzelligen Algen im Mulm. Der eigentlich rostbraune Mulm sieht auf dem Bild appetitlicher aus, als es in Wirklichkeit der Fall ist

Eine Dunkelfeldaufnahme der einzelligen Algen im Mulm. Der eigentlich rostbraune Mulm sieht auf dem Bild appetitlicher aus, als es in Wirklichkeit der Fall ist.
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Ein Rädertierchen mit seinem roten Mageninhalt unter dem Hellfeld-Mikroskop

Ein Rädertierchen mit seinem roten Mageninhalt unter dem Hellfeld-Mikroskop
Ein Rädertierchen mit seinem roten Mageninhalt unter dem Hellfeld-Mikroskop.
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Rädertierchen mit dem Dunkelfeld-Verfahren fotografiert

Rädertierchen mit dem Dunkelfeld-Verfahren fotografiert
Rädertierchen mit dem Dunkelfeld-Verfahren fotografiert.

Dass Mulm weitgehend farblos bis durchsichtig ist, erkennt man auch erst unter dem Mikroskop

Ein Rädertierchen im Dunkelfeld fotografiert

Bei schiefer Beleuchtung ist es eindeutig einfacher, den Kranz der rotierenden Cilien einigermassen scharf abzulichten
Bei schiefer Beleuchtung ist es eindeutig einfacher, den Kranz der rotierenden Cilien einigermassen scharf abzulichten.
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Zwei Rädertierchen bei der Nahrungssuche - sie strudeln mit den Räderorganen erstaunliche Mengen Wasser heran. Gefressen wird, was ins Maul passt
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Zwei Rädertierchen bei der Nahrungssuche - sie strudeln mit den Räderorganen erstaunliche Mengen Wasser heran. Gefressen wird, was ins Maul passt
Zwei Rädertierchen bei der Nahrungssuche – sie strudeln mit den Räderorganen erstaunliche Mengen Wasser heran. Gefressen wird, was ins Maul (bzw. den Magen)passt.
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Rädertierchen unter dem Mikroskop in der Betrachtung mit der Dunkelfeldmethode
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Nach dem Trocknen des Präparates unter dem Deckglas gewinnt man einen Eindruck, wie die Alge in ihrem Lebensraum (im Beispiel eine Vogeltränke aus Naturstein) bis zum nächsten Regen überleben kann. Form und Farbe der Alge bleiben erhalten und sorgen für die rostähnliche Farbe im Granit- oder Marmorbecken. Nach der Aufnahme von Wasser beginnt der Lebenskreislauf wieder von neuem.

Blutregenalge

Blutregenalge Haematococcus sp.
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Video: 26 Sek., 2,22 MB
Drei Rädertierchen bei schiefer Beleuchtung mit der Canon gefilmt.



Direktlink:
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/drei_raedertierchen_blutregenalge.mpg

Video: 26 Sek., 2,19 MB
Dunkelfeld-Mikroskopvideo zweier Rädertierchen, die sich auf der Suche nach Fessbarem durch das Präparat bewegen.



Direktlink:
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/zwei_raedertierchen_blutregenalge.mpg





Kommentar

  1. Dieser Text ist sehr informativ!
    Peter zwegat    27. September 2010, 10:38    #