Freiluftaquarium Planschbecken
6. Juli 2006, 01:34
Es ist immer wieder erstaunlich, wie rasch sich Kleingewässer aller Art mit mikroskopischem Leben füllen. In diesem Fall ein Kinderplanschbecken, das sich nach
einer Woche im Garten schön grün eingefärbt hat.
Auf der Suche nach der Ursache der Grünfärbung konnte neben einzelligen kugeligen Grünalgen ein massenhaftes Auftreten von
Zooflagellaten beobachtet werden. Die vermutliche Art Euglena sp. würde sich als Erstfutter für kleinste Jungfische, z.B. Colisa lalia (Zwergfadenfisch)
eignen.

Sohn Thomas bei der ersten Probenentnahme
Obwohl die Kinder beim Herumtoben im Becken jede Menge Gras und Erde eingetragen haben, fanden sich interessanterweise keine Aufgusstierchen.
Eine mögliche Erklärung dafür wären ausgewaschene Weichmacher oder Zinnverbindungen, die – nicht nur für Kinder – sehr schädlich sind. Einen Bericht dazu hat die Seite Ökotest im Juli veröffentlicht.
Auch aus diesem Grund – und wegen der zunehmenden Veralgung – wurde das Becken nach einigen sommerlichen Hitzegewittern mit Niederschlag natürlich vor der erneuten Benutzung wieder gereinigt. Die Ausbeute an
mikroskopischen Objekten ist entsprechend der kurzen ‘Standzeit’ dieses ‘Freiluftaquariums’ mager, kann aber auch mit den Erkenntnissen der an das Wasser abgegebenen Giftstoffe zusammenhängen.
Dafür erwiesen sich ertrunkene Insekten als überraschend interessantes Motiv, und ich werde im Spätsommer bei Gelegenheit eine kleine Collage von in der Enns
ertrunkenen Insekten machen. Aber davon später mehr.

Verschiedene ertrunkene Insekten

Ertrunkene Schwebfliege
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Im Aquarium als Wasser- oder Fischschimmel bekannt, der auch abgestorbene Fischeier befällt. Typisch für Pilze: die
abstehenden Fäden, die oft als strahlenförmig beschrieben werden. Saprolegnia sp. unterscheidet sich vom Nebelpilz Achlya racemosa äußerlich dadurch, dass die Watten – bestehend aus den einzelnen Pilzfäden (Hyphen) – außerhalb des Wassers zusammenfallen.
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Pilzfäden (Hyphen) von Saprolegnia sp. bei ca. 500-facher Vergrößerung. Die Hyphen sind hier etwa 60 µm breit.
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Eine kugelige Alge, die auch in abgelösten Einzelexemplaren vorkommt, vielleicht Botryochloris minima (Zwerg-Gelbgrünalge), die häufig in Pflützen und
Wasserlachen vorkommt.
Euglena sp. findet man im Sommer nach mehrtägigen Regenfällen in nahezu jeder grünlich schimmernden Pfütze. Ein Zuchtansatz zum Verfüttern an
Jungfische oder Filtrierer (Wasserflöhe, Teichmuscheln) ist rasch gewonnen, die Kultur selber recht einfach. Methode nach STREBLE und KRAUTER 2002): Ein
Glasgefäß (100 ml Fassungsvermögen) wird fingerdick mit Gartenerde gefüllt. Ein erbsengroßes Stück Hartkäse sorgt dafür, dass sich aus dem enthaltenen Eiweiß
genügend Ammonium als Nährstoff für die Algen bilden wird. Das Gefäß wird bis zur Hälfte gefüllt und 60 Minuten erhitzt (sieden, nicht kochen). Nach dem Abkühlen
wird der Sud mit Euglena sp. beimpft und ans Fenster gestellt – direktes Sonnenlicht soll vermieden werden. Für Fütterungszwecke mit einer Pipette tropfenweise
entnehmen oder über ein Mikrometersieb abseihen. Verdunstetes Wasser wird nachgefüllt. Wenn die Ergebnisse schlechter werden, kann man wieder mit Käse
‘nachfüttern’. Die Firma AquaMedic bietet für Planktonkulturen im Meerwasserbereich eigene Planktonrekatoren an, wenn man ständig auf größere Mengen als
Zusatzfutter angewiesen ist.
Video: 20 Sek., 1,54 MB
Massenhaftes Auftreten von Euglena sp. In einer Probe von wenigen Millilitern fanden sich tausende dieser einzelligen und begeißelten Algen,
deren systematische Stellung bei den Augenflagellaten festgelegt ist.
Direktlink:
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/euglena_sp.mpg
Kommentar
Der vermeintliche Wasserfloh... Leben unter der Aquarium-Abdeckung