Wasserlebewelt im Terrarium

19. Juni 2006, 00:36

Auch in Trinkgefäßen im Terrarium bilden sich gerne Algen. Die Sporen oder Dauerstadien werden mit Futterinsekten, Kletterästen oder der Einstreu eingebracht.
Meistens handelt es sich dabei um punktförmige Grünalgen, die sich in jeder Ritze der Ton- oder Kunststoffschalen festsetzen und nur äußerst mühsam zu entfernen sind, oder um Blaualgen, die grünliche, bläulichschwarze oder bräunliche, leicht abwischbare Beläge bilden.

Hartnäckige Arten wie z.B. die Winzige Sargalge (Oocystis pusilla), die in der Natur auf feuchten Felsen und Baumstämmen zu finden ist, können auch Austrocknung überleben. Die Felsen Sargalge (Oocystis rupestris) bildet häufig grüne Beläge in Blumenvasen und Gießwasserbehältern.

Je nach dem, wie hoch die Temperatur im Terrarium ist und welche Tiere gepflegt werden, bildet sich entweder nur eine sehr artenarme Mikrofauna (Temperaturempfindlichkeit der Wimpern- und Rädertierchen über 32 °C in Trockenterrarien) oder eine üppige Besiedelung mit allen möglichen Ein- und Mehrzellern aus. Besonders Badebecken im Terrarium mit Wasseragamen sind in dieser Hinsicht wahre biologische Kläranlagen, vor allem wenn die Becken ungefiltert sind und sich die wasserklärenden Bakterien an den Wänden des Behälters ansiedeln müssen. In der Folge entwickeln sich Massen von Wimpern- und Rädertierchen, die sich wiederum von den Bakterien ernähren.

Grüne Punktalgen aus einem handelsüblichen Kunstoff-Trinkgefäß aus einem Trockenterrarium Grüne Punktalgen aus einem handelsüblichen Kunstoff-Trinkgefäß aus einem Trockenterrarium
Grüne Punktalgen aus einem handelsüblichen Kunstoff-Trinkgefäß aus einem Trockenterrarium.

Unter dem Mikroskop zeigen sich nach dem Abschaben unzählige kleinste, nur wenige Mikrometer große einzellige Algen
Unter dem Mikroskop zeigen sich nach dem Abschaben unzählige kleinste, nur wenige Mikrometer große einzellige Algen.

Blaualgen in einem Badegefäß Blaualgen in einem Badegefäß
Blaualgen in einem Badegefäß aus einem Halbfeuchtterrarium.

Blaualgen (Cyanophyceae) sind keine Algen, sondern Photosynthese betreibende Bakterien. Ihre Lebensweise entspricht der von Pflanzen, die Vermehrung der von Bakterien (Zellteilung).
Ihre Vermehrungsrate ist atemberaubend – zwei Tage den Trinkbehälter nicht gereinigt, und sie sind wieder in alter Zahl vorhanden. Abhilfe bringt eine Reinigung mit einem chlorhältigen Reinigungsmittel oder das Einlegen des Behälters in 65 °C heißes Wasser (1 Stunde) – Auskochen oder Sterilisieren im Backofen ist für Behälter aus Kunststoff nicht ratsam.

Unter dem Mikroskop stellen sich die Blaualgenbeläge als Gewirr feinster, ineinander verwobener Fäden,dar
Unter dem Mikroskop stellen sich die Blaualgenbeläge als Gewirr feinster, ineinander verwobener Fäden, dar.

Unter den unzähligen Vertretern der Cyanophyceae finden sich sowohl wertvolle Arten, die als Nahrungsmittelergänzung für Mensch und Tier intensiv in Aquakultur vermehrt und für den werden (z.B. Spirulina sp.), als auch Arten, die Toxine abgeben und Kleinst(wasser)lebewesen schädigen können.
Während sich grüne Punktalgen in rauen Trinkschalen kaum mehr restlos aus allen Ritzen und Ecken entfernen lassen und auch keine Gefahr darstellen, haben Blaualgen in einem Trinkgefäß für Terrarientiere nichts verloren.

Ein Glockentierchen hat sich mit seinem Stiel an Blaualgen festgeheftet
Ein Glockentierchen hat sich mit seinem Stiel an Blaualgen festgeheftet und strudelt mit seinem Wimpernkranz nach Bakterien.

Video:
Ein Glockentierchen, das im Präparat mit den einzelligen Grünalgen gefunden wurde, strudelt nach Nahrung (1,8 MB, 23 Sek.)








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