Lebewelt in der Kleintiertränke
13. Juni 2006, 23:43
Was hat eine Trinkflasche für Rennmäuse, Hamster oder
Meerschweinchen mit einem Aquarium gemeinsam? Zunächst einmal
natürlich – das enthaltene Wasser. Ansonsten gibt es keine
Gemeinsamkeiten, denn wer löscht schon seinen Durst bei seinem
Schauaquarium?
Trotzdem soll es vorkommen, dass beim Teilwasserwechsel der
eine oder andere Schluck im Magen, anstatt im Wechseleimer,
landet. Was dabei noch ‘mitgehen’ kann, wird in aller Kürze in
zwei, drei Bildern anschaulich gemacht.

Grünalgen, Rädertierchen und Einzeller aus einem Abstrich
einer Trinkflasche für Kleintiere.
Um noch einmal auf die Trinkflasche für Kleinnager
zurückzukommen – die gezeigten Wasserlebewesen stammen
tatsächlich aus einer solchen Kleintiertränke. Wenn man den
Trinkbehälter nicht regelmäßig mit der Flaschenbürste reinigt,
werden sich früher oder später Algen bilden. Nichts, was für
die Haustiere schädlich wäre – in diesem Fall handelt es sich
um harmlose Grünalgen. Und ein unübersehbares Gewirr von Ein-
und Mehrzellern, Würmchen, Rädertierchen und Glockentierchen
besiedelt diesen ungewöhnlichen Lebensraum.
Geimpft wird die anfänglich saubere Trinkflasche vermutlich
durch die Zähne und Lippen der Nager, die mit dem Heu und
Sämereien auch jede Menge Dauerstadien von sogenannten
Aufgußtierchen oder Infusorien zu sich nehmen. Beim Trinken
werden diese Dauerstadien an der Nippeltränke abgestreift, und
die Besiedelung der Trinkflasche mit allerlei Leben findet
statt. Dabei ist es unerheblich, ob das Wasser täglich
getauscht wird – solange nicht mit heißem Wasser und einer
Flaschenbürste gearbeitet wird, finden sich immer mehr oder
weniger dieser Wasserlebewesen.
Man kann davon ausgehen, dass
diese Tierchen den Haustieren nicht schaden; schließlich
finden sich in Wassernäpfen, Quellen oder Pfützen noch weit
komplexere und artenreichere Lebensgemeinschaften aus allen
möglichen Mikroorganismen, die beim Trinken mit dem Wasser mit
aufgenommen werden.
Trotzdem sollte es natürlich nicht soweit kommen, dass die
Trinkflasche veralgt – einfach regelmäßig auch mit der
Flaschenbürste arbeiten, dann ist soweit alles in Ordnung.
Besonders der Bereich des Trinknippels mit der beweglichen
Kugel verschleimt rasch durch Bakterienplaque, die Jungtieren
mit geringeren Abwehrkräften möglicherweise schaden
können.
Die vorgestellten Kleinlebewesen sind natürlich auch
in jedem biologisch einwandfrei funktionierenden Aquarium zu finden.

Rädertierchen Callotheca ambigua (algicola). Dieser Räuber
ernährt sich von Einzellern, die vom Kropf (Mastaxhöhle) in
den Magen gedrückt werden. C. ambigua wird zwischen
200 – 850 µm groß und kommt im natürlichen Lebensraum in
Tümpeln und Altwässern auf Pflanzen und Algen vor.
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Am
Fuß von Rädertierchen findet man oft Eihäufchen, die als Dauerstadien auch widrige
Zeiten (z.B. Austrocknung) überstehen können.

Bilder
v.l.n.r.:
1. Krone von Callotheca ambigua (zum Vergrößern klicken)
aus der Nähe. Die
zwei kreisförmigen Gebilde sind Einzeller, die als Nahrung
infrage kommen. Die langen Wimpern schließen sich mit der
fünflappigen Krone um das Beutetier, und es wird in den Magen
befördert. Diese Rädertierchenart kommt auch ohne typisches
Gehäuse vor.
2. Bauchhärling Chaetonotus maximus,
das Flaschentierchen (der Körperform wegen)
3. Das Wimperntierchen Lacrymaria
olor (Schwanenhalstierchen oder Tränentierchen), das sich räuberisch von
Infusorien ernährt
4. Einzellige Grünalge aus der Trinkflasche. Einschichtig
aneinandergelagert bilden die Gallerthüllen der Einzelalgen die erkennbare achteckige
zellwandähnliche Erscheinung aus.

Der
Algenbelag im Inneren der Trinkflasche, der sich aus leicht abwischbaren einzelligen
Grünalgenkolonien zusammensetzt. Die Erscheinungsform ähnelt den hartnäckigen
Grünen Punktalgen an den Scheiben des Süßwasseraquariums, die sich jedoch nur
äußerst mühsam entfernen lassen.

Die
einzelligen Grünalgen in Nahaufnahme. Bestimmungsversuch: Gloeocystis vesiculosa,
die Gallerthüllen-Grünalge.
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Neben
den einzelligen Grünalgen fanden sich auch kurze Algenfäden (Grünalgen).

Die
Bestimmung ist nicht einfach – ich vermute, dass es sich bei der Grünalge um
Ulothrix sp., vielleicht U. subtilissima handelt.

Sonnentierchen
Actinophrys sol. Dieses Sonnentierchen, das 40-50 µm groß wird, frisst
Flagellaten, Ciliaten und einzellige Algen.

Segelrädertier Ptygura sp., vielleicht Ptygura brachiata. Charakteristisch:
die links und rechts abstehenden Bauchtaster (Hände-hoch-Tierchen ;-)
Videos:
Einmal das näher vorgestellte Rädertierchen Callotheca ambigua
beim Beutefang (3,6 MB, 37
Sek.)
Direktlink:
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/raedertierchen_collotheca_fressvorgang_trinkflasche.mpg
Ein Sammelsurium an Lebewesen – Rädertierchen links im Bild,
Einzeller und ein Fadenwurm (vielleicht Monohystera sp.) – 3,1 MB, 31 Sek.
Direktlink:
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/wurmchen_trinkflasche.mpg
Weitere Videos zum Thema:
Rädertierchen können ihren Standplatz bei widrigen Lebensumständen verlassen und aktiv bessere Futterplätze aufsuchen (2,22 MB, 28 Sek.)
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/raedertierchen_mobil.mpg
Ein Trupp Segel-Rädertiere beim Strudeln von Nahrung (878 KB, 11 Sek.)
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/segelraedertierchen_ptygura.mpg
Das Rädertierchen Callotheca ambigua frisst einen Grünen Augenflagellaten (1 MB, 13 Sek.)
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/raedertierchen_frisst_augenflagellat.mpg
Das Rädertierchen Rotaria rotatoria strudelt mit seinen Wimpernkränzen nach Nahrung. Bei jedem erfolgreichen Beutefang zuckt das Tierchen zurück (732 KB, 9 Sek.)
Dieses Video ist insbesonders deshalb interessant, weil man beobachten kann, dass nicht wahllos alles, von den Wimpern herbeigestrudelt wird, auch tatsächlich gefressen bzw. behalten wird. In diesem Fall wird ein dunkles Beutetierchen, ein Flagellat oder eine Spore, wieder ausgespuckt. Dazu öffnet sich an der Seite eine kleine Pore, aus der das Objekt wieder ausgestoßen wird. Wenn ihr bei eurem Videobetrachter die Zeitlupenfunktion (Quick-Time) verwendet oder beim Media-Player den Schieberegler (in Pause-Stellung) vorschiebt, lässt sich das gut erkennen.
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/raedertierchen_rotaria_rotatoria_strudelnd.mpg
Verfolgung eines Schwanenhalstierchens bei der Nahrungssuche im Präparat (1,66 MB, 21 Sek.)
http://www.aquarium-kosmos.de/bilder/videos/schwanenhalstierchen.mpg
Kommentar
Wasserfloh unter dem Mikroskop Naked microscopy oder: wie man Wasserflöhe kaka* zubereitet
hallo,
nach einem kurzen Blick auf die Fotos würde ich vermuten, dass die fädige Grünalge nicht Ulothrix ist, sondern eher zur Gattung Oedogonium gehört. ´
Grüße!
— Julia 15. September 2008, 17:32 #