Sporen vom Javafarn (Microsorium pteropus)
25. Mai 2006, 05:24
Teil I:
Makroskopische Kamera-Aufnahmen der Sporenkapseln und Sporen von Microsorium pteropus:
Der Javafarn (Microsorium pteropus) ist nicht nur eine
dankbare, robuste Aquariumpflanze, die auch afrikanischen
Buntbarschen oder Saugwelsen längere Zeit widerstehen kann,
sondern vor allem ein hochinteressantes Gewächs: wie der Name
schon andeutet, handelt es sich dabei nicht um eine
Blütenpflanze, sondern einen Farn. Bekannt ist die beliebte
Wasserpflanze auch unter dem Namen Schwarzwurzelfarn. Die
Etymologie erklärt den griechischen Namen als mikros =
klein, soros = Haufen (die bis 2 mm großen Sporenhaufen
an der Blattunterseite) und pteropus = geflügelt
(Blattstiel). Die Pflanze ist ursprünglich in Asien (Sri
Lanka, Java, Papua Neuguinea) weit verbreitet und in
verschiedenen Sorten erhältlich.
Die Vermehrung dieser Pflanze erfolgt nicht durch Samen,
sondern vegetativ durch Rhizomteilung oder Adventivpflanzen
und generativ durch Sporen, die an der Blattunterseite gehäuft
in schöner Regelmäßigkeit gebildet werden. Am besten erfolgt
diese Sporenbildung, wenn der Farn emers (= außerhalb
des Wassers) bei entsprechender Luftfeuchtigkeit kultiviert
wird.
Wenn die Sporen in den Sporenkapseln reif sind, kann man sie
in einer Kulturschale mit nasser Erde zum Keimen bringen. Aber
auch im Aquarium bilden sich regelmäßig neue Pflänzchen
daraus, vor allem wenn eine emers kultivierte Pflanze bereits
mit reifen Sporen aus der Wasserpflanzengärtnerei erworben
wurde (wie das bei der fotografierten Pflanze der Fall war).
Früher oder später wird das junge Pflänzchen vom Mutterblatt
abbrechen – oder wir pflücken es ab und setzen es auf ein
neues Substrat.

Sporenkapsellager an der Blattunterseite von Microsorium
pteropus, dem Javafarn

Die einzelnen Sporenkapseln bilden kleine Häuflein (‘Lager’), die mit freiem Auge sichtbar sind.
Der Javafarn benötigt nicht unbedingt ein Pflanzsubstrat, um
zu gedeihen – die beobachtbaren, oft schwarzen Wurzeln
(Schwarzwurzelfarn!) erfüllen überwiegend nur eine
Haftfunktion. Man nennt diese Haftwurzeln auch
Rhizoide. Der Javafarn lässt sich sehr gut an Wurzeln,
Steinen oder Filtermatten anbinden (Angelschnur, Kabelbinder)
– früher oder später wächst die Pflanze fest und sorgt für
einen optisch sehr natürlich wirkenden Effekt im Aquarium. Die
Ansprüche an Licht und Nährstoffe sind bescheiden, die
Temperatur im Aquarium kann zwischen 20 und 28 °C betragen.
Allerdings sollte man den Farn nicht – wie oft praktiziert – in die dunkelsten Ecken des Aquariums verbannen, wo die
Pflanze bald zum Veralgen neigt. Ein heller Platz im Aquarium
wird durch frische grüne Farben und entsprechendes
Längenwachstum belohnt..
Man kann die Pflanze auch aus dem Aquarium wachsen lassen,
wenn die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch ist – in der
Praxis gelingt das selten, zumal auch die Abwärme der
Neonröhren rasch zum Welken und Verdorren der Blätter
führt.


Wenn das Blatt oberflächlich langsam auszutrocknet, beginnen
die Sporenkapseln mit dem Freisetzen der Sporen – der Abschuss der
Sporen scheint also vom Feuchtigkeitsgrad abhängig zu sein. Die
blütenstaubähnlichen Pünktchen auf dem Blatt sind freigesetzte
Sporen und Teile der Sporenkapseln. Davon gibt es im zweiten Teil
des Javafarn-Blogs noch größere Aufnahmen.
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Ich habe mir einmal die Sporenkapseln an der Blattunterseite
näher angesehen und davon ein paar Bilder gemacht. Begleitend
dazu folgen ein paar Anmerkungen über Methoden, diese Sporen
mit der Digitalkamera entsprechend ins richtige Bild zu
rücken.
Zuerst musste das Blatt vorsichtig abgetrocknet werden, da
sich der Wasserfilm mit seiner reflektierenden Eigenschaft
ungünstig auf Schärfe und Kontrast auswirkte.
Es stellte sich die Frage, wie man von dem feuchten Blatt mit
unkonventionellen Mitteln ein Bild gewinnen könnte. Beim
Fotografieren mit Blitzlicht zeigten sich unerwünschte
Reflexionen auf dem Blatt und den Sporenkapseln. Die Verwendung eines Polarisationsfilters an der Kamera lieferte zu dunkle Bilder. Eine Erhöhung
der ISO-Zahl führt neben dem bekannten Bildrauschen nur zu
einem mittelmäßigem Ergebnis – beim Fotografieren im
Makromodus kaum möglich, auch wenn das Ergebnis nur ein
internettaugliches Bild mit 500 Pixeln Breite sein soll. Ein
Ringblitz steht mir nicht zur Verfügung.
Der erste Versuch bestand darin, das Blatteilchen auf einem
weissen Blatt Papier als Unterlage zu präsentieren:

Ein glatter Fehlschlag – die wächserne dicke Blattepidermis
reflektiert das Blitzlicht, das Blatt wirkt farblos und
dumpf.
Der nächste Versuch erfolgte mit einem Podest in Form eines
kleinen Glases:

Immerhin – das Blatt erschien nun schon etwas grüner,
lebendiger, kontrastreicher, und die Darstellung der Farben
war besser gelungen. Das Problem der Reflexionen blieb dennoch – verstärkt sogar – vorhanden.
Auf der Suche nach einer einfachen Möglichkeit, das Blitzlicht
gleichmäßig von unten, oben und den Seiten rund um das
Präparat zu verteilen fiel mir ein weisser emaillierter
Kochtopf in die Hände: der Topf war sauber ;-) und um die Mitte
schön ausgebaucht, wodurch das Licht gleichmäßig um das zentral
aufgestellte Präparat verteilt werden müßte:

Fein – das Ergebnis passt! Keine störenden Reflexionen mehr
und eine passable 40 fache Vergrößerung! Fotografiert wird im
Makro-Modus mit Blende 2,8 ISO 50, automatischem Weissabgleich
(Kunstlicht) auf eine Entfernung von ca. 1 cm. Höhere
Blendenzahlen liefern ein dunkleres Bild, das sich kaum mit
den geringen Möglichkeiten der Canon A 620 (Blitzhelligkeit)
ausgleichen lässt. Ob man den Autofocus verwendet oder sich
doch besser mit der praktischen Kameralupe ans Objekt zoomt
ist relativ gleichgültig – es müssen mit beiden Methoden sehr
viele Bilder gemacht und verworfen werden, bis ein oder zwei
brauchbare darunter sind.

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Die Blattrippe, Blattadern, Zellwände und einen der
Sporenhaufen in einem Bild scharf darzustellen könnte für
schlaflose Nächte sorgen.

Ein Versuch mit Blende 5 – man erhält als Ergebnis einen
weissen Hintergrund, den man mit einem
Fotobearbeitungsprogramm gar nicht besser hinbekommen könnte – und das ohne weiteres Zutun. Die ‘Kochtopf-Fotografie’ als
Methode dürfte also für klar abgegrenzte und kaum
lichtdurchlässige Objekte wie Blätter, Blüten oder Sämereien
ganz brauchbar sein.
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Als kleine dunkelgrüne Stifte sind die Spaltöffnungen im Blatt
erkennbar. Auch diese winzigen Details kann man nur erkennen,
wenn das Objekt so präpariert wird, dass es vom Blitzlicht von
oben durchschienen und gleichzeitig von unten beleuchtet wird.
Die Ränder der einzelnen Blattzellen sind als gelbgrüne Linien
deutlich erkennbar.

Bilder (zum Vergrößen klicken):
Links das ‘Schnapsglas’ als
Podest für das Blatt, das durch seine Transparenz den
‘Röntgen-Effekt’ (das ist übertrieben: die relative
Durchleuchtbarkeit, abhängig von der Dicke des Objektes)
erlaubt.
Rechts die einfache Konstruktion im Kochtopf – fotografiert
und geblitzt wird direkt in den Kochtopf. Ein niedriger
Milchtopf erlaubt es, dass man sich an den Rändern mit beiden
Händen abstützen und so die Kamera ruhig halten kann. Das Glas
muss nur klein (und nebenbei schwer) genug sein, dass es
unterhalb der reflektierenden Bauchung des Topfes platziert
werden kann. Mit einem Edelstahltopf mit geraden Wänden
funktioniert es übrigens nicht – zu viel vom Topfboden
reflektiertes Licht überfordert die Kamera hoffnungslos. Ein praktischer
Ringblitz - oder besser: Rundumblitz – für alle möglichen Fotoarbeiten
im Mikro- und Makrobereich.
Kommentar
Süßwasserpolyp Hydra vulgaris Javafarn Teil II: Mikroskopische Aufnahmen der Sporenkapseln und Sporen