Ein Büschel Grünalgen im Aquarium
2. Mai 2006, 02:04
Nicht immer sind Grünalgen so schlecht wie ihr Ruf – in Aquarien,
in denen ansonsten keine oder kaum Pflanzen vorhanden sind,
stellen die Algen eine gesunde Zusatzkost für nahezu alle
Fischarten dar. Hauptsache, es grünt irgendetwas im Aquarium. Den
Fischen ist es einerlei, ob sie sich in Grünalgenpolstern
verstecken oder zwischen Wasserpflanzen. Nur bei langfädigen
Arten, die gespinstartig Pflanzen und Dekoration vernetzen, ist
Vorsicht geboten – kleine Fische können darin hängen bleiben und
verenden.

Die unbestimmte Cladophora-Grünalge im Aquarium. Das dekorative
Büschel ist an einem Aquariumkiesel festgewachsen, die Strömung im
Aquarium verstärkt das dynamische Bild eines lebenskräftigen und
photosynthetisch hochaktiven Kleinstlebensraumes.
Grünalgen produzieren mit allen grünen Zellteilen sehr viel
Sauerstoff und können so dazu beitragen, ein ‘verfahrenes’
Aquarium zumindest biologisch stabil zu halten. Man liest des
öfteren, dass Grünalgen Zeiger guter Wasserqualität seien – ein
schwacher Trost für den Aquarianer, den es betrifft. Bis zu einem
bestimmten Verschmutzungsgrad kann das jedoch durchaus zutreffen.
Bei höheren Nitrat- und Phosphatgehalten kümmern auch Grünalgen,
und andere Algenarten setzen sich durch.

Die besagte Grünalge aus der Gattung Cladophora auf
Objektträger mit Deckglas, fotografiert im Makro-Modus mit der
Kamera auf weissem Papierhintergrund.
Grünalgen lassen sich leicht bekämpfen – eigentlich bedarf es nur
einer angemessenenZahl algenfressender Fische (Siamesische
Rüsselbarben, Algensalmler oder Garra-Arten) oder Garnelen
(Caridina japonica, Amano-Garnele), einem Grundstock
schnellwachsender Wasserpflanzen (Wasserpest, Hornkraut, Indischer
Wasserwedel, Ludwigia oder Indischer Wasserstern) und einer
regelmässigenNährstoff- und Kohlenstoffdioxiddüngung, und
man bekommt das Problem mittelfristig in wenigen Wochen wieder in
den Griff. Auch regelmässige umfangreiche Teilwasserwechsel,
beginnend bei einem zweimaligen 50%-Teilwasserwechsel wöchentlich,
helfen wirksam mit, ein ‘grünveralgtes’ Aquarium wieder ansehnlich
zu machen.
Keinesfalls soll dem Grünalgenproblem mit Algenmitteln zu Leibe
gerückt werden – derartige Herbizideinsätze richten das
Aquarium biologisch zugrunde und bewirken im besten Fall eine
Verminderung des Algenaufwuchses. Meist gelingt es damit nur
zuverlässig, die Grünalgen kurzfristig im Bestand zu reduzieren
und die Lebensbedingungen für eine noch hartnäckigere Alge zu
optimieren.
In jedem Fall kann ein Algenmitteleinsatz auch das Zooplankton (=
tierische Plankton) schädigen. In diesem kleinen Beitrag habe ich
einen Blick auf eine hübsche Grünalge geworfen, die ich unlängst
als kleines planktonisches Büschel – in einer Wasserpflanze
hängend – entdeckte. Erst der Blick durch das Mikroskop
offenbart die zierliche Schönheit dieser archaischen Vorgänger
aller Land- und Wasserpflanzen.
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Im direkten Vergleich dazu eine andere beliebte Grünalge,
die ‘Mooskugel’ Cladophora aegagropila, mit ihrer
charakteristischen Verzweigung.
Die Algenfäden sind von zahllosen Einzellern besiedelt. Und
selbst andere Algen (Kieselalgen) besiedeln wiederum die
Grünalgen – ein ganzer Mikrokosmos an Leben, den es zu
erhalten gilt und der nicht durch Algenmittel oder
Fischmedikamente zerstört werden sollte. Die biologische
Reinigungskraft dieser Algenbüschel ist beachtlich – Bakterien
werden durch Glockentierchen und Rädertierchen aus dem Wasser
oder vom Substrat gefangen und so mitgeholfen, das Wasser
kristallklar und für die Fische gesund zu erhalten.

Der Grünalgenfaden wird von Einzellern und anderen Algen – hier von der Kieselage Achnanthes microcephala, besiedelt
(1000x). A. microcephala (Kopfige Aufsitzer-Kieselalge)
besiedelt oft massenhaft epiphytisch Wasserpflanzen und Algen
und kommt in fast allen Gewässern (und Aquarien) vor.
Der Beitrag ist natürlich kein Pladoyer für ein
‘Grünalgenaquarium’ – neben der direkten schonenden
Beseitigung durch algenfressende Garnelen, der Optimierung der
Wasserwerte und dem Besatz mit Höheren Pflanzen soll damit von
der Verwendung von Giften im Aquarium abgeraten werden. Die
Mikrofauna bleibt erhalten und kann feinfiedrige
Wasserpflanzen besiedeln.

Pokaltierchen Cothurina vaga bei 1000facher Vergrösserung,
an einer Grünalge angedockt und dort nach Bakterien
strudelnd (siehe auch das Video dazu)
![]()

Rädertierchen, eines sessil (= hier an einer Grünalge
sitzend), das andere (unten) aktiv mit Hilfe seines Stachels
schreitend, zwischen den Grünalgenfäden auf der Jagd nach
Bakterien und anderen Einzellern. Rädertierchen in Moos- oder
Algenpolstern stellen ein hervorragendes Jungfischfutter für
kleine Salmler- und Bärblinge dar.


Oben: Schleiertierchen Pleuronema coronatum bei 1000facher
Vergrösserung. Die Art lebt zwischen Wasserpflanzen und Algen,
wird 45 – 140 µm gross und ist im Süß- und Meerwasser
beheimatet.

Glockentierchen besiedeln alle möglichen Substrate,
darunter auch – wie in diesem Fall – ‘unsere’ Grünalge.
Meistens treten die Einzeller in Kolonien oder Gruppen auf.
Mit ihrem dünnen Stielchen wirken sie sehr zerbrechlich, und
trotzdem sind sie – wie die Alge auch – der Strömung des
Aquariums ausgesetzt und können dabei noch mit ihrem
Wimpernkranz nach Nahrung strudelnd.

Ein Rädertierchen hat seinen Standplatz auf einer Grünalge
gefunden und strudelt nach Kieselalgen, Bakterien und
Zooflagellaten – was eben ins Maul passt. Im Bauch des
Einzellers kann man gut eine gefressene bernsteinfarbene
Kieselalge erkennen. Bei den beiden Algenfäden links im Bild
handelt es sich um Blaualgen. Die beiden gegenläufigen
Wimpernkränze strudeln die Nahrung in einer atemberaubenden
Geschwindigkeit zur Mundöffnung – siehe dazu auch das Video
(3,8 MB 25 Sek.
.mpg) ![]()
Nachfolgend noch drei kleine Videos (.mpg) von Einzellern aus
diesem Algenbüschel (zum Ansehen auf den Thumbnail
klicken):
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Von links nach rechts:
1. Pokaltierchen Cothurnia vaga, 1000x
2. Ein Schleiertierchen Pleuronema coronatum – Einzeller dieser Gattung spreitzen während der Bewegungspausen
die dicht stehenden Wimpern ab; später folgt im Film der Blick
auf ein Rädertierchen im Algengewirr auf der Suche nach
Nahrung.
3. Ein Rädertierchen sucht sich einen besseren Platz zwischen
den Algenfäden, verfolgt vom Mikroskopobjektiv. Bemerkenswert,
mit welcher Sicherheit sich das Tierchen am nächsten
Algenfaden anheften kann.
4. Ein Glockentierchen auf seinem filigranen Stiel
5. Ein Rädertierchen strudelt Nahrung zur Mundöffnung
6. Ein anderer Vertreter der Rotatorien strudelt mit zwei
gegenläufigen Wimpernkränzen in einem atemberaubenden Tempo
Kieselalgen und Bakterien zu seiner Mundöffnung.
Durchscheinend kann man eine bernsteinfarbene gefressene
Kieselalge erkennen.
Verwendete Kamera:
Canon Powershot A620 7,1 Mpixel. Die Kamera wurde für die
Makroaufnahme und mit dem entsprechenden Okularadapter beim
Mikroskop verwendet. Auch die Videos wurden damit angefertigt
(Übung macht bekanntlich den Meister – das Gerät ist noch neu
und ich muss mich erst darauf einarbeiten).
Verwendetes Mikroskop: micros Modell MCX100A

Kommentar
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Ich habe in meinem aquarium viele verschiedene lebenswesen ich w�rde gern wissen was das alles ist wenn ich meine von hand gemalte zeichnungen zuschicke k�nnten sie mir dann bitte erkl�ren was das ist?
— Andrej Wei� 27. November 2009, 19:18 #